Ende des 2. Weltkrieges und Nachkriegszeit

Inhaltsverzeichnis:
Ohrweger Schulaufsätze zum Kriegsende (1945)
Was wir in Ohrwege in den Monaten Januar bis Juni 1945 erlebten
Was hat der Schulbezirk am Kriegsende von Januar bis Juni 1945 erlebt
Zusammenstellung mehrerer Aufsätze
Selbst gebauter Bunker mit einem Bett
Heimkehr in der Sperrstunde
Brennmaterialbeschaffung nach Kriegsende

Ohrweger Schulaufsätze zum Kriegsende (1945)
Eine Ausarbeitung von Hans Janssen (†1988) für seine von ihm angefangene überarbeitete Ohrweger Chronik“Schulchronik“ der Volksschule Ohrwege.
Am 31.08.1987 hat mir der ehemalige Lehrer in Ohrwege, Herr Bernhard Ripken, die Unterlagen zur “Schulchronik“ übergeben. Diese Lose-Blatt-Sammlung hat bisher wohl niemand einsehen können. Ich finde darin einige Schulaufsätze, meist ohne Namen und ohne Datum. Geschrieben wurden die Arbeiten im 7. Schuljahr (etwa 1949) der Schüler, die etwa um 1937 geboren sind, also nur wenige Jahre nach Beendigung des Krieges. Einige Aufsätze, leicht überarbeitet, vermutlich durch Herrn Ripken, lasse ich hier folgen. So bekommen wir noch einmal einen Einblick um das Geschehen im April 1945 in Ohrwege.

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Was wir in Ohrwege in den Monaten Januar bis Juni 1945 erlebten
Von Heinz Martens, Ohrwege, Wittkuhlenstr. 17.02.1949

Das Jahr 1945 sollte für uns eine gefährliche Zeit werden. Die Front kam von Tag zu Tag näher. Die Luftangriffe wurden immer häufiger. Wenn wir vormittags in der Schule waren, heulte oft die Sirene. Dann ging es Hals über Kopf in die Bunker. Der Flugplatz in Rostrup wurde mehrere Male angegriffen und ziemlich stark zerstört. Es dauerte auch nicht mehr ganz lange, da konnten wir nicht mehr in die Schule gehen. Morgens kamen immer schon die Tiefflieger und griffen alles, was sich bewegte an und mit einem Fuhrwerk traute sich fast niemand mehr auf die Straße.

Einmal waren meine Mutter und ich auf dem Felde und pflanzten Erbsen. Plötzlich kam ein Flugzeug und beschoss uns. Wir warfen uns blitzschnell in eine Furche und wurden zum Glück nicht getroffen, obwohl die Kugeln um uns herum in die Erde schlugen. Da waren wir noch einmal mit dem Schrecken davongekommen.

Der Krieg kam nun immer näher. Viele Leute sind ins Moor geflüchtet, aber wir haben uns in der Nähe des Hauses einen Bunker gebaut und haben den Durchzug der Front auf unserm Hof erlebt.

Eines Nachts wurden die Türen aufgebrochen und viele Soldaten kamen ins Haus. Es waren Deutsche. Sie waren auf dem Rückzug und quartierten sich bei uns ein. Es waren 80 Mann. Sie schliefen auf der Diele und in den Scheunen. Ihre Pferde trieben sie auf unsere Weiden.

Der Feind kam aber auch näher und plötzlich fielen im Dorf an mehreren Stellen Bomben und Granaten. Eine Granate fiel in etwa 5 Meter Entfernung von unserem Hause auf die Erde und auf dieser Seite des Hauses wurden alle Fensterscheiben zertrümmert. In der folgenden Nacht sind die deutschen Soldaten wieder weitergezogen. Die letzten haben die Bäume über die Straße gelegt und die Brücke über die Bäke gesprengt. Auch die Brücke über die Aue haben sie gesprengt, es sollten keine feindlichen Panzer hinüber.

Jetzt mussten wir auch tagsüber im Bunker sein. Wenn es etwas ruhiger war, gingen wir schnell ins Haus, um Essen zu holen und das Vieh zu füttern. In den ruhigen Nächten konnten wir das Schießen der Maschinengewehre hören.

Eines Abends konnten wir in der Nähe unseres Hauses ein Gefecht zwischen Deutschen und feindlichen Soldaten beobachten.

Im Walde saßen die Deutschen und 200 Meter von ihnen entfernt saßen in einem Graben die Feinde. Wir hatten große Angst, denn wir dachten immer, dass uns auch bald eine verirrte Kugel treffen würde. Noch unruhiger wurden wir, als von der Straße der Lärm der vorbeifahrenden feindlichen Panzer zu hören war.

Nach einigen Tagen wurde es ruhiger. Man hörte das Schießen nur noch aus der Ferne. Die Feinde waren weitergezogen. Schließlich hörten wir nichts mehr!  Es war Waffenstillstand.

Eines Morgens kamen 2 Engländer. Sie wollten Gewehre und Photo-Apparate haben. Wir hatten noch ein altes Jagdgewehr, das nahmen sie auch mit, obwohl damit gar nicht mehr geschossen werden konnte. Nach und nach kamen jetzt auch die Leute zurück, die ins Moor geflüchtet waren. Manche fanden noch ihre Hauser vor, wie sie sie verlassen hatten, aber viele standen vor Ruinen, wo einmal ihre Häuser gestanden hatten. Überall auf den Weiden lag totes Vieh. Nach einigen Tagen hatten die Männer des Dorfes aber alles begraben.

Jetzt kamen auch öfter feindliche Soldaten ins Haus. Sie suchten alles durch und wollten Eier haben. Was sie immer suchten haben sie uns nicht gesagt und wir konnten sie nicht fragen, denn die meisten konnten ja nicht Deutsch. Aus den besten Häusern wurden die Leute hinaus gewiesen und die Besatzung quartierte sich dort ein. Nach einiger Zeit wurden auch diese Häuser wieder frei.

So hat der Krieg in unserem Dorf viel verändert. Viel Schaden hat er angerichtet durch die Zerstörung von insgesamt 43 Häusern und anderen Gebäuden.

Hoffentlich wird es niemals wieder eine solche Zeit geben.

Doch am schlimmsten hat es wohl die Familien getroffen, die einen oder mehrere Angehörige verloren haben oder die mit schweren Verwundungen dauernde Schäden erlitten haben.

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Was hat der Schulbezirk am Kriegsende von Januar bis Juni 1945 erlebt
Von Rolf Harbers, Ohrwege, Vor dem Kienmoor

Das erste Halbjahr 1945, in dem der 2. Weltkrieg sein Ende fand, ist mir noch sehr gut in Erinnerung. Ich war damals im 8. Lebensjahr. Mein Vater war Soldat. Bis Weihnachten 1944 war er in Norwegen und kam dann nach Italien. Seine Post kam damals immer ganz regelmäßig an. Wir hatten als Arbeitskraft einen Gefangenen, einen Franzosen, auch er bekam immer regelmäßig seine Post. Eine Flüchtlingsfamilie aus Ostpreußen wohnte auch bei uns.

Die feindlichen Flugzeuge flogen oft über unsere Gegend, hatten aber auch schon vorher meine engere Heimat mit Bomben belegt. Wenn am Tage feindliche Flieger gemeldet wurden und Fliegeralarm gegeben wurde, kamen wir sofort vom Schulunterricht nach Hause.

Mein Großvater und ich hatten uns nahe beim Hause einen guten Bunker gemacht und wir hielten uns beim Überfliegen der feindlichen Flugzeuge in diesem auf. Die feindlichen Truppen rückten nun immer näher heran und im Monat März wurde der Schulunterricht fast ganz eingestellt.

Von meinem Vater bekamen wir auch keine Post mehr. Anfang April bekamen wir Einquartierung. Die Schreibstube und die Küche von unseren Truppen war bei uns. An einem Vormittag hörten wir feindliche Flugzeuge und schon fielen die Bomben etwa 150 m von unserem Hause entfernt. Bei uns waren viele Fensterscheiben zerschlagen und das halbe Dach vom Wohnhaus war heruntergeflogen. Am nächsten Tage haben wir uns wieder Ziegel besorgt und konnten das Dach wieder in Ordnung bringen. Aber die Fensterscheiben konnten wir nicht ersetzen. In den nächsten Tagen haben wir dann mehrere Koffer und Kisten mit Kleidungsstücken, Geschirr, Speck und Wurst eingepackt und sichergestellt.

Am 28. April, Mittags 11 Uhr, gingen 4 deutsche Soldaten durch unsere Ländereien in Richtung Flakstellung*). Diese Soldaten müssen nun von den feindlichen Panzern, die inzwischen ins Dorf eingedrungen waren, gesehen worden sein. Um 12 Uhr setzte ein gewaltiges Feuer von den Panzern ein. Wir flüchteten in unseren Bunker. Das Feuer ging unaufhaltsam weiter. Nach einer kleinen Pause wagte mein Großvater sich eben aus dem Bunker heraus und musste feststellen, dass die Nachbarhäuser schon alle in Brand geschossen waren. Auch unsere Scheune mit dem Schweinestall stand in Flammen. Dann setzte wieder ein heftiges Feuer ein. Uns war es somit nicht möglich, die 17 Schweine und das Kalb, welche im Schweinestall waren, zu retten. Diese Tiere sind alle verbrannt. Gegen 3 Uhr wurde das Feuer eingestellt.

Nun sahen wir auf der Straße ca. 25 Panzer. Die feindliche Panzerbedienung ließ uns nun zu sich kommen; sie wollte Auskunft über die deutschen Panzer haben, aber hierüber konnten wir nichts berichten. Wir gingen dann wieder nach Hause, geschossen wurde nicht mehr.

Am nächsten Tage kamen drei amerikanische Soldaten und machten Haussuchung. Unser Nachbar Rothenburg, der nun auch kein Haus mehr hatte, wohnte dann bei uns. Am 8. Mai kam auch mein Onkel aus Scheps zu uns. Am gleichen Tage war auch Kriegsschluss. Meines Onkels Haus war nämlich auch abgebrannt. In dem Haus von Wortmeyer war Besatzung und uns wurde auch diese Familie zugewiesen. Wir wohnten dann mit 19 Personen im Hause.

Nach etwa 14 Tagen holten sich die Nachbarn jeder eine Baracke, diese standen in der Flakstellung*) und waren vorher vom Arbeitsdienst und später von Soldaten besetzt.

Von meinem Vater hatten wir nichts wieder gehört, er kam dann am 19. Juli 1945 aus der amerikanischen Gefangenschaft zurück.

Hinweis von Friedrich Hinrichs:
Bei den von Rolf Harbers genannten “amerikanischen“ Soldaten wird es sich wohl eher um Engländer oder Kanadier gehandelt haben.
*)Als Flakstellung wurden die fest aufgebauten Flugabwehrkanonen zum Schutz des Rostruper Flugplatzes bezeichnet. Von derartigen Stellungen befanden sich mehrere im Umkreis von Rostrup. In Ohrwege, am heutigen “Ilexweg“, gab es 2 Geschütze (2cm und 8,8cm). Dazu dann die entsprechenden logistischen Einrichtungen (Unterkünfte, Küche, …).

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Zusammenstellung aus mehreren Aussätzen
Von Bernhard Ripken, Dorfschullehrer

Kurz nach dem Ende des zweiten Weltkrieges, es mag etwa 1947 (Widerspruch zur Angabe im Aufsatz oben, das müsste noch aufgeklärt werden) gewesen sein, ließ Schulleiter Berndhard Ripken in der Aufsatzstunde einen Aufsatz über die letzten Kriegstage in Ohrwege schreiben. Vermutlich unter dem Eindruck der vielen Kindererlebnisse, die in den Aufsätzen geschildert wurden, fasste Herr Ripken die Ereignisse in Ohrwege noch einmal in einer eigenen Darstellung zusammen.

Dort schreibt er:
„Die letzten Monate vor Kriegsende haben dem Schulbezirk Ohrwege Wunden geschlagen, wie sie wohl nur wenige Dörfer Deutschlands erlitten, abgesehen selbstverständlich von den zerbombten Städten.

Als die Front am Küstenkanal zum Stehen kam, wurde Ohrwege zum Hinterland, das in die Beschusszone der feindlichen Artillerie einbezogen wurde. Doch verursachte dieser Artillerie Beschuss kaum nennenswerten Schaden. Die große Gefahr für das Dorf wurden die Tiefflieger, die alles und jeden angriffen, der sich sehen ließ.

Am 20.04.1945 wurden durch Jagdbomber drei Gebäude bei der Schule und alle großen Bauereien getroffen und zum größten Teil in Brand geworfen, dazu noch in Ohrwegerfeld hier und dort ein Haus. Als dann der Kanal von den Gegnern überschritten wurde, setzten sich deutsche Einheiten, meist Fallschirmjäger, in Ohrwege fest, so dass hier eine neue Front gebildet wurde. Die Bevölkerung wandte sich ins Fintlandsmoor nach Karlshof und lebte dort bei Bauern oder in primitiven Hütten, nachdem die wichtigsten Dinge entweder vergraben oder mitgenommen wurden. Nur wenige Familien blieben im Ort.

Als Panzer im Ort erschienen, entwickelte sich noch einmal ein kurzes Gefecht, ein Panzer wurde dabei abgeschossen, er stand bis 1948 bei Hünefeld am Mastenweg im Garten. Leider gingen bei dieser Gelegenheit nochmal mehrere Häuser in Flammen auf, so dass bei der Kapitulation 33 Wohnhäuser total zerstört waren, dazu eine große Anzahl von Ställen aller Art, Scheunen und Strohmieten. Häuser ohne Beschädigungen gab es wohl nicht.

Auch Menschenleben kosteten diese Tage. Etwa 20 deutsche Soldaten fanden den Tod, ebenso mehrere Kanadier und drei Bewohner des Schulbezirkes. Eine größere Anzahl Einwohner erlitt mehr oder weniger schwere Verletzungen und wurden zum Teil von den Kanadiern in weiter entfernte Lazarette geschafft. Besonders tragisch ist der Verlust zweier Jugendlicher nach dem Ende durch herumliegende Minen, davon einer noch im Jahre 1946. Die Verluste an Großvieh betrugen etwa 110 Tiere, eine große Anzahl Schweine und zahllose Hühner.“

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Selbst gebauter Bunker mit einem Bett 
Erzählung von Friedrich Hinrichs, Wittkuhlenstraße, Ohrwege

Ähnlich wie in den Aufsätzen zuvor geschildert,  hat auch meine Oma Anna Hinrichs (Witwe) mit ihren beiden Kindern Annelene und Georg die letzten Kriegswochen erlebt. Sie hat (wohl davon traumatisiert) uns als Kinder sehr oft davon erzählt.
Auf dem Feld wurden auch sie von Tieffliegern beschossen. Viel Zeit wurde auf dem Hof zuletzt in einem Bunker verbracht. Dieser war ihr von der fachkundigen Verwandtschaft (Teilnehmer am 1. Weltkrieg) gebaut worden. Auch ein Bett war darin aufgestellt. Den Eingang konnte ich noch in den 1960er Jahren sehen, der Rest war allerdings zugeschüttet.

Als die Front näherkam und dann durchrückte waren viele der Nachbarn ins Moor geflüchtet. Alle hatten wohl genug damit zu tun sich selber in Sicherheit zu bringen, so dass meine Oma davon nichts mitbekommen hatte. Bis sie dann alle drei von den “Tommies“ (Bezeichnung für englische Soldaten) aus dem Bunker geholt wurden. Sie mussten sich in einer Reihe aufstellen und dann wurden ihnen mit der Maschinenpistole einige Garben vor die Füße gesetzt. Viel Hausrat (Geschirr, …) war von Oma in Kisten verpackt und im Garten vergraben worden. Die “Tommies“ haben dann aber das ganze Hof- und Gartengelände mit dünnen Stäben sondiert, vermutlich auf der Suche nach Wertsachen (oder wegen möglicher Minen?) und leider auch alle Kisten gefunden. Mit dem Geschirr konnten sie wohl nichts anfangen. Das wurde von ihnen dann mit  einem schweren Stein mutwillig zertrümmert. Und Georgs (meines Vaters) “Lieblingshuhn“ musste auch dran glauben. Im Haus wurde alles mutwillig verwüstet. Bis ihnen dann die Todesanzeige von Opa (gest. 1934) in die Hände fiel, da hörten sie dann damit auf.

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Heimkehr in der Sperrstunde  (von Hans Janssen, † 1988)

In den letzten Kriegstagen kämpften sich die kanadischen Truppen verlustreich kämpfend am 25. April 1945 nach Edewecht vor. Auch dort wurde noch erbittert gefochten, so am 26. und 27 April. Danach ging es über Scheps und Dänikhorst über Ohrwege nach Bad Zwischenahn weiter. Auch diese Orte wurden durch Kampfhandlungen noch sehr stark in Mitleidenschaft gezogen, mit Ausnahme von Bad Zwischenahn. Dort konnte der Herr Pastor Schulz eine kampflose Übergabe vermitteln, sodass der Ort Zwischenahn kaum unter Kampfhandlungen leiden musste. Bis endlich am 05.05.1945 in ganz Norddeutschland Waffenruhe vereinbart wurde und damit der Krieg hier zu Ende ging.

Kaum waren die ersten Besatzungstruppen eingezogen, wurden die ersten Befehle der Militärregierung an die Bevölkerung bekanntgemacht, so unter anderem:
MILITÄRREGIERUNG:
1.  Mit sofortiger Wirkung und bis auf Widerruf müssen alle Zivilpersonen in den Häusern bleiben. Auf Personen, die diesem Befehl zuwider handeln, kann ohne Anruf geschossen werden.
2.  Nach 24 Stunden wird die Zivilbevölkerung über etwaigen Nachlass dieses Befehls unterrichtet werden.
3.  Hausvorstände müssen sofort eine Liste mit Vor- und Nachnamen,
Geburtsdaten, Geschlecht und Beschäftigung aller Hauseinwohnean an ihren Straßentüren anbringen.
4  Das Verbergen oder Beherbergen von Angehörigen der Deutschen Streitkräfte ist eine strafbare Handlung.
5.  Personen, die diesen Anordnungen zuwider handeln können, gerichtlich
verfolgt und zu jeder gesetzlichen Strafe, einschließlich der
Todesstrafe, verurteilt werden.
Im Auftrage der Militärregierung

Zeitungen gab es damals ja nicht mehr. Vermutlich wurden diese Anordnungen durch Handzettel den zurückkehrenden Zivilpersonen bekannt gemacht. Über einen Nachlass der Anordnung (Abmilderung? Aufhebung?) ist hier nichts bekannt. Jedenfalls wurden die geforderten Namenslisten an den Haustüren auch angebracht. Das Ausgehverbot wurde wohl später gelockert.

Hinweis von Friedrich Hinrichs:
Die vorstehenden Erläuterungen von Hans Janßen , insbesondere die Anordnungen für die Zivilbevölkerung, sollen wohl die Umstände seiner nachfolgend von ihm beschriebenen riskanten Rückkehr erläutern. Über die weitere Entwicklung bei uns in den Tagen nach dem Waffenstillstand lagen ihm ja keinerlei Informationen vor. Wie lange die o. a. Anordnungen damals galten, wurde von Hans Janßen nicht mehr herausgefunden. Wer dazu noch etwas beitragen kann, möge sich bei uns melden.

Die Heimkehr
Ich selbst erlebte das Kriegsende bei den Kämpfen östlich Berlin, im alten Oderbruch in Neugaul ab 16.04.1945 beginnend bis zur Siegesfeier der Russen in den Kasernen von Neuruppin am 10.05.1945 mit der Ansprache eines russischen Kommissars und dem Absingen der Internationale. Dabei fand ich Gelegenheit, mich ohne Gefangenschaft zu Fuß in Richtung Heimat abzusetzen.Die Strecke von Neugaul über Eberswalde nach Haus bin ich dann zu Fuß gelaufen, immer entlang an den Eisenbahnstrecken, denn dort fuhren ja keine Züge mehr und auch sonst war dort niemand mehr zu sehen. Die Elbe durchschwamm ich nachts (mit Hilfe eines Rettungsringes). Dabei kam ich am 25.05.1945 etwa gegen 20:00 Uhr in Oldenburg an. Die Hoffnung auf ein Fahrrad von Johann Wittjen in Oldenburg erfüllte sich nicht. Auf den Gedanken, dass es eine Sperrzeit gab, kam ich nicht – oder habe die Einwände von Wittjen nicht ernst genommen. Jedenfalls bin ich morgens früh in Kirchweye an der Weser losgegangen, noch gegen 20:30 Uhr in Richtung Bad Zwischenahn über Bloh und Kayhauserfeld (Bahnlinie) weitermarschiert.Bis zum Bahnübergang in Kayhauserfeld kam ich, ohne einmal angehalten oder sonst aufgehalten zu werden. Dann jedoch pfiffen mir Kugeln um die Ohren. Sie kamen von 2 englischen Soldaten, die wohl mehr privat als aus dienstlichen Gründen auf dem Bahnübergang standen. Es blieb mir noch Zeit meine mitgeführte Landkarte und ein Fernglas im nahen Wall zu verbuddeln. Dann ging ich weiter zu den Soldaten und habe sie angesprochen, was das zu bedeuten hätte. Zu einer Verständigung kam es nicht, weil die Engländer nicht deutsch und ich nicht englisch sprechen konnte.Die beiden zeigten mir ein Luftgewehr und meinten wohl, die Bleikugeln wären wohl harmlos. Auf alles war ich gefasst, nur nicht darauf, dass ich anschließend ungehindert weiterziehen durfte. So etwa gegen 10:00 oder 11:30 Uhr kam ich hier in Ohrwege an.
Als heimgekehrter Soldat hatte ich keine Entlassungspapiere und wusste zunächst auch nicht, dass diese Papiere so ernst genommen wurden. Erst im August habe ich diese Papiere in Oldenburg bekommen. Bis zu dieser Zeit musste ich also auch so auskommen. Es hat funktioniert. Schwierigkeiten hatte ich nicht. Wenn ich diese Anordnung der Militärregierung jetzt 40 Jahre später lese, muss ich doch sagen, es war Zufall, dass ich heimkehren konnte und Glück, dass ich unbeschädigt alles überstanden habe.

Quelle: Nordwestheimat Nr. 5 vom 18.05.1985, sowie eigenes Erleben

11.08.2026, Anmerkung Friedrich Hinrichs: Diese Geschichte war von Hans Janssen († 1988) für seine in Angriff genommene Ohrweger Chronik vorgesehen, sie konnte von ihm aber nicht mehr endgültig fertiggestellt werden. Den o. a. Text habe ich in seinen Unterlagen als Entwurf aufgetan, ebenso die erwähnte Seite aus der Nordwestheimat Nr. 5 vom 18.05.1985. Weiterem Schriftverkehr mit amtlichen Stellen ist zu entnehmen, dass Hans Janssen erst zum Ende des Jahres 1945 von einer britischen Entlassungsstelle offiziell registriert worden ist.

Bei dem, was Hans Janssen hier über seine Rückkehr 1945 aus dem Bereich Berlin beschreibt, muss er in der Tat sehr viel Glück gehabt haben. In russischer Gefangenschaft erwartete die meisten ein hartes Los, viele haben diese oft auch nicht überlebt. Wehe dem, der auf einer wie hier beschrieben Flucht zu früh erwischt wurde

Ein junger Ohrweger/Rostruper? (Lehmann?) wurde z. B. noch nach Kriegsende im Bereich Wildeshausen (?) auf einem Bahnhof im Getümmel erschossen, nur weil er seine Uhr nicht hergeben wollte. Wer zu den Fragezeichen etwas genaueres weiß, möge uns das bitte mitteilen.

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Brennmaterialbeschaffung nach Kriegsende 1945 (von Hans Janssen
Nach Beendigung des Krieges im Mai 1945 und im Hinblick auf den ersten Nachkriegswinter sahen sich diedamals verantwortlichen Behörden hier in der Gemeinde gezwungen, für Brennmaterial zu sorgen. Das geschah mit einem Schreiben vom 14.Oktober 1945 an alle Grundbesitzer, die über Holzbestände verfügten.

Das Schreiben hatte den folgenden Wortlaut:
Der Bürgermeister                       Bad Zwischenahn,  den 14. Oktober 1945
An alle Grundbesitzer, die über Holzbestände verfügen.
“Damit die Beschaffung des dringendst notwendigen Brennmaterials für die Bevölkerung sichergestellt wird, ist den Gemeinden die Durchführung eines großen Brennholzeinschlages auferlegt.

Aufbringungspflichtig sind alle Grundbesitzer, die über irgendwelche Holzbestände verfügen. Da Kohlen überhaupt nicht geliefert werden und die Beschaffung von Torf zur Zeit auch unmöglich, andererseits aber der Mangel an Brennmaterial so groß ist, dass es vielen Haushalten kaum noch möglich ist, das Mittagessen zu bereiten, muss mit dem Einschlag sofort begonnen werden.

Grundsätzlich ist alles Holz, welches als Brennholz angesprochen werden kann, zu fällen. Zuerst soll das Holz der Hecken und Wälle vor allem derjenigen in den Wiesen und alles beschädigte Holz auch in den ge-schlossenen Waldungen geschlagen werden. Holz, welches für die An-fertigung von Holzschuhen (Erlen und Weiden) geeignet ist, darf vorerst nicht geschlagen werden. Das geschlagene Holz ist zu entasten und so zu stapeln, dass es leicht geschätzt werden kann (nach Raummetern zu stapeln).
Schriftliche Meldungen unter Angabe der ungefähren Menge und des Lagerortes sind jeden Sonntag, erstmalig am 21.10.1945 bei den Bezirksvorstehern zu machen.“
Ohne Unterschrift, jedoch mit einem Gemeindestempel

Damals habe ich 4 Raummeter geschlagen, unter anderem am Kirchweg- neben Gustav Dreiers Weide. Die Mengen der anderen Bauern und Holzbesitzer sind mir nicht bekannt.

13.08.2026, Anmerkung Friedrich Hinrichs:
Diese Geschichte war von Hans Janssen († 1988) für seine in Angriff genommene Ohrweger Chronik vorgesehen. In der Dokumentensammlung von Hans Janssen ist noch eine Kopie von dem o. a. Schreiben der Gemeinde enthalten. Zum Scannen ist diese allerdings zu verblichen. Vielleicht findet sich ja noch mal ein besseres Exemplar.

 Nach Bericht von Johann Sander (†1982) wurde im Rahmen dieser angeordneten Brennholzbeschaffung auch ein großer Teil des als “Hisjes Tannen“ bezeichneten Waldes zwischen der Hofstelle Martens, “Wittkuhlenstraße 8“ und der Straße “Achtern Diek“ abgeholzt. Dieser Wald wurde damals von “Hisje-Erna“ (heute die Hofstelle von Manfred Gerken, “Querensteder Str. 6“) den Ohrwegern für die angeordnete Maßnahme großzügig zur Verfügung gestellt.

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